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Michael Stapelberg

NetBSD 4.0 mit Xen 3 (2008)

published 2008-06-18, last modified 2018-03-18
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Da Linux-Vserver auf zwei meiner Rechner aus irgendwelchen Gründen instabil lief (Freeze bei Last, beide Male auf AMD64, aktuelle Version mit IPv6), ließ ich mich zu einem Versuch mit NetBSD statt Linux und Xen statt Linux-Vserver als Virtualisierungslösung überreden ;-).

Da das offizielle Howto allerdings leicht outdated und nicht ganz so ausführlich ist, habe ich hier meine Erfahrungen dokumentiert. Viel Spaß beim Ausprobieren, Feedback ist willkommen :-).

Ich gehe davon aus, dass grundlege Kenntnis über Xen besteht, ansonsten informiere dich bitte zuerst anderweitig. Außerdem solltest du diese Anleitung nicht sofort 1:1 auf einem Server umsetzen, sondern erstmal lokal ausprobieren.

Vorwort

Diese Anleitung bezieht sich auf NetBSD 4.0 mit aktuellem pkgsrc, welches momentan xen-3.1.4 beinhaltet. Falls xen-3.1.4 mittlerweile outdated ist, such lieber nach einer anderen Anleitung, diese könnte mittlerweile falsch sein…

Installation

Bei der Installation sollte man beachten, dass das Dateisystem ein FFSv1 sein muss, von FFSv2 wollte GRUB bei mir nicht booten (mir wurde allerdings gesagt, dass es bei jemand anders funktioniert – nunja, sicher ist sicher…). Ansonsten habe ich einfach ein normales NetBSD/i386 installiert mit den Sets comp, misc, text und man. Bei der Partitionierung habe ich pro domU einen Slice ohne Dateisystem und Mountpoint angelegt.

Als Mirror war bei mir ftp7.de.netbsd.org der schnellste und zuverlässigste. Leider kann man nicht jeden beliebigen FTP verwenden, der Backup-Server meines Hosters beispielsweise kann keine Wildcards und taugt daher nicht als Installationsquelle.

Nach der Installation via Remote-KVM sollte man zuerst SSH aktivieren und einen User anlegen (root-login ist standardmäßig abgeschaltet und das ist auch sinnvoll so):

echo sshd=YES >> /etc/rc.conf
/etc/rc.d/sshd start
useradd -m -G wheel michael
passwd michael

Die Optionen -m und -G wheel sorgen dafür, dass das homedirectory erstellt wird beziehungsweise dass der neue Benutzer automatisch der Gruppe wheel zugeordnet wird, damit er später su benutzen darf.

Anschließend loggt man sich via SSH ein, da das doch deutlich komfortabler als ein Remote-KVM ist, und installiert xenkernel3 sowie xentools3:

$ su -
# cd /usr
# cvs -z9 -d [email protected]:/cvsroot co pkgsrc
# cd pkgsrc/sysutils/xentools3
# make install clean
# cp /usr/pkg/share/examples/rc.d/xendomains /etc/rc.d/xendomains
# cp /usr/pkg/share/examples/rc.d/xend /etc/rc.d/xend
# cp /usr/pkg/share/examples/rc.d/xenbackendd /etc/rc.d/xenbackendd
# cd ../xenkernel3
# make install clean
# gunzip -c /usr/pkg/xen3-kernel/xen.gz > /xen

Das ganze dauert ca. 30 Minuten. Mithilfe des CVS-Checkouts haben wir auf jeden Fall die aktuelle Version von pkgsrc. Hierbei wurde mir dazu geraten, netbsd.se zu verwenden statt netbsd.org, da netbsd.se in der Regel problemloser funktioniert. Das Entpacken des Kernels ist nicht unbedingt notwendig, aber damit GRUB auf jeden Fall bootet, gehen wir lieber den sicheren Weg ;-). Apropos GRUB, den brauchen wir auch noch:

# cd ../grub
# make install clean
# grub-install --no-floppy '(hd0)'

Die Datei /grub/menu.lst erstellen wir nun mit folgendem Inhalt:

default=0
timeout=5

title Xen 3.0 / NetBSD 4.0 root (hd0,0) kernel (hd0,a)/xen dom0_mem=131072 module (hd0,a)/netbsd-XEN3_DOM0 bootdev=wd0a ro console=tty0

title NetBSD 4.0 root (hd0,a) chainloader +1

Zu beachten ist, dass dom0_mem mit der Menge an Arbeitsspeicher, den die dom0, also der Hostrechner, bekommen soll, gesetzt wird (in Kilobytes). Der Speicher für die einzelnen domUs ist hier nicht mit eingerechnet. Außerdem muss gegebenenfalls wd0a gegen den Namen deiner Festplatte/Slice ausgetauscht werden. Sofern eine serielle Konsole verfügbar ist, sollte tty0 gegen ttyS0 ausgetauscht werden. Der zweite Eintrag startet den Original-NetBSD-Bootloader, was sehr nützlich ist, wenn doch etwas schiefgelaufen ist (wie zum Beispiel ein FFSv2-Dateisystem, wobei man dann ohnehin neu installieren muss…).

Vor dem folgenden Neustart brauchen wir noch die Kernel-Images für die dom0 und die domUs, außerdem nützlich ist das INSTALL_XEN3_DOMU-Image, bei welchem gleich ein NetBSD-Installer integriert ist:

# cd /
# ftp -a ftp://ftp.netbsd.org/pub/NetBSD/NetBSD-4.0/i386/binary/kernel/netbsd-XEN3_DOM0.gz
# ftp -a ftp://ftp.netbsd.org/pub/NetBSD/NetBSD-4.0/i386/binary/kernel/netbsd-XEN3_DOMU.gz
# ftp -a ftp://ftp.netbsd.org/pub/NetBSD/NetBSD-4.0/i386/binary/kernel/netbsd-INSTALL_XEN3_DOMU.gz
# gunzip netbsd*gz

Nun startet man das System via reboot neu und hofft, dass alles klappt. Sollte das der Fall sein, ist man nun mit der Remote-KVM fertig. Nun legen wir noch die Devicenodes an und aktivieren/starten die beiden Daemons:

# cd /dev
# sh MAKEDEV xen
# echo xend=YES >> /etc/rc.conf
# echo xenbackendd=YES >> /etc/rc.conf
# /etc/rc.d/xend start
# /etc/rc.d/xenbackendd start

Außerdem brauchen wir eine bridge, damit der Netzwerktraffic von der dom0 zu den domUs gelangt. Diese konfigurieren wir in der Datei /etc/ifconfig.bridge0:

create
!brconfig $int add re0 up

Hierbei muss re0 gegebenenfalls gegen den Namen deiner Netzwerkkarte ausgetauscht werden. Diesen findest du mit ifconfig -a heraus. Gestartet wird die bridge mit folgenden Befehlen (bei einem Neustart nicht nötig):

# ifconfig bridge0 create
# brconfig bridge0 add re0 up

domU einrichten

Die Konfiguration für die einzelnen domUs findest du in /usr/pkg/etc/xen/. Wir legen hier eine Datei namens ircd an (mit dem Namen für deine domU ersetzen):

kernel = "/netbsd-INSTALL_XEN3_DOMU"
memory = 256
name = "ircd"
vif = [ 'mac=00:16:3e:70:02:01, bridge=bridge0' ]
disk = [ 'phy:/dev/wd0e,0x1,w' ]
root = "xbd0"

Die Konfiguration beinhaltet gleich mehrere Stolperfallen: Die MAC-Adresse MUSS mit 00:16:3e anfangen. Beispielsweise 00:16:3e:70:02:01 ist eine gültige Adresse. Der Anfang 00:16:3e ist offiziell Xensource zugeordnet und Xen weigert sich ansonsten zu starten – ohne hilfreiche Fehlermeldung allerdings :-(.

Des Weiteren sollte man bei der Angabe der disk unbedingt den richtigen Slice erwischen. Bei den Slices ist es so, dass es einen Slice gibt, der die komplette Festplatte umfasst, den man – sofern man das Konzept noch nicht kennt – eventuell verwechseln könnte. Daher: Mit disklabel /dev/rwd0 findest du heraus, welche Slices du vorher angelegt hast. Bei einer geführten Installation durch den NetBSD-Installer ist in der Regel wd0e der ersten Daten-Slice.

Sobald die Konfiguration überprüft wurde, starten wir die domU mit -c, was bedeutet, dass wir direkt auf die Konsole gelangen:

# xm create -c /usr/pkg/etc/xen/ircd

Hier installiert man nun ein Standardsystem. Anschließend funktionierte das shutdown -h now in der domU allerdings nur insofern, als dass die domU zwar heruntergefahren war, aber nicht „ausgeschaltet”. Also nochmal in die dom0 einloggen und mittels xm destroy ircd die domU anhalten um in der Konfiguration den kernel von INSTALL-XEN3_DOMU auf XEN3-DOMU zu ändern. Nun startet man die domU nochmals mit -c, aktiviert SSH wie oben gezeigt, fährt sie wieder herunter und startet sie dann ohne Parameter.

Das war’s – die domU läuft. Allerdings gibt es noch ein paar nützliche Dinge…

pkg_comp

Mittels pkg_comp kann man in einer chroot-Umgebung Pakete und deren Abhängigkeiten bauen, die man dann auf seinem Server verwenden kann. Somit hat man den Vorteil anpassbarer Pakete und umgeht den Nachteil des langwierigen Kompilierens auf dem Server (vor allem muss man nicht auf jeder domU nochmal kompilieren). Außerdem kann es beim Kompilieren passieren, dass eine von mehreren Paketen genutzte Abhängigkeit aktualisiert wird und einer der Dienste, die das Paket benutzen, noch nicht aktualisiert sind und somit nicht mehr funktionieren. Das wird durch die schnelle Installation der Binärpakete vermieden. Die offiziellen Binärpakete sind allerdings nicht gut gepflegt, daher bauen wir uns einfach unsere eigenen…

pkg_comp wird also ganz normal installiert (ich habe dafür eine domU auf einem lokalen Rechner erstellt):

# cd /usr/pkgsrc/pkgtools/pkg_comp
# make install clean

Anschließend wird eine Beispielkonfiguration erstellt (maketemplate):

# pkg_comp maketemplate

In dieser Konfigurationsdatei (pkg_comp/default.conf) ändern wir nun folgende Variablen:

  • DISTRIBDIR – wohin die fertigen Pakete abgelegt werden, also /var/pub/NetBSD in diesem Beispiel
  • REAL_PKGSRC – wo unser pkgsrc liegt, also /usr/pkgsrc
  • SETS – welche sets verfügbar sind
  • SETS_X11 – ob die X11-sets verfügbar sind, also NO ;-)

Dann wird die chroot-Umgebung eingerichtet (makeroot). Ich habe dabei auch gleich die sets kopiert, falls ich sie später noch einmal brauche (für eine neue domU zum Beispiel):

# mkdir -p /var/pub/NetBSD/binary/sets
# cp /usr/INSTALL/*.tgz /var/pub/NetBSD/binary/sets/
# mkdir /var/chroot/pkg_comp
# pkg_comp makeroot

Hier eine Liste mit der Paketkonfiguration, die ich verwende:

  • mail/postfix
  • www/apache22
  • security/cy2-plain
  • net/bind9
  • mail/mailman (hierbei sollte man im Makefile vorher MAILMAN_MAILGROUP=nobody setzen, sofern man mailman mit Postfix verwenden will)
  • devel/scmgit
  • www/gitweb
  • www/trac
  • net/wget
  • shells/zsh
  • editors/vim
  • net/vsftpd
  • misc/gnuls (sorgt für gls --color=auto :-))
  • databases/mysql5-server
  • lang/php5
  • databases/php-pdo
  • databases/php-pdo_mysql
  • graphics/php-gd
  • databases/phpmyadmin
  • misc/screen

Eigene Kernel bauen

Da der XEN_DOMU-Kernel mit Debugoptionen kompiliert wurde, kann man die Standard-Module nicht in den Kernel laden und hat somit kein pf. Da ich pf benötige, musste ich also einen eigenen Kernel bauen. Das klingt aufwändiger als es tatsächlich ist.

Hierzu brauchen wir zuerst das set syssrc.tgz:

# ftp -a ftp://ftp.netbsd.org/pub/NetBSD/NetBSD-4.0/source/sets/syssrc.tgz
# cd /; tar xvzpf ~/syssrc.tgz

Im Prinzip kopieren wir uns dann die XEN3_DOMU-Konfiguration, die freundlicherweise mitgeliefert wird, und ergänzen die Optionen für pf sowie das Filtern auf bridges. Folgende Schritte sind dafür notwendig:

# cd /usr/src/sys/arch/i386/conf
# cp XEN3_DOMU XEN3_DOMU_PF
# echo pseudo-device pf >> XEN3_DOMU_PF
# echo pseudo-device pflog >> XEN3_DOMU_PF
# echo options ALTQ >> XEN3_DOMU_PF
# echo options BRIDGE_IPF >> XEN3_DOM0_PF
# config XEN3_DOMU_PF
# cd ../compile/XEN3_DOMU_PF
# make depend
# make
# cp netbsd /netbsd-XEN3_DOMU_PF

Und schon haben wir einen eigenen Kernel mit dem Namen netbsd-XEN3_DOMU_PF :-).

Generelle Tipps

  • Für die Netzwerkkarte, die in meinem Server steckt (Intel e100), ist dieser Patch notwendig, dass sie ohne Fehlermeldungen funktioniert. Da lohnt sich das Kompilieren eines eigenen Kernels umsomehr ;-).
  • Bei beiden von mir getesteten Systemen hat APIC-, ACPI- und PnP-Support nur Probleme gemacht. Sobald man sie im BIOS ausschaltete, funktionierte das System. Ich weiß, das ist nicht die saubere Art, aber mit dem Debuggen von solchen Dingen möchte ich mich als NetBSD-Anfänger noch nicht befassen ;-).
  • Bei meinem Provider ist es so, dass man, sofern man keine Virtualisierung verwendet, alle IPs eines Subnetzes verwenden kann. Bei Xen ist es dann aber so, dass die erste IP als Network-Adress gehandhabt wird und somit nicht verwendet werden kann. Wer also darüber seine Default-Route legen möchte und nur DUP-pings zurückbekommt – nächste Adresse probieren.

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